Als Claas Rittinghaus vor fünf Jahren von Ostwestfalen nach Österreich kam, suchte er nicht nur eine neue berufliche Aufgabe. Auch die Nähe zu den Bergen spielte für ihn eine wichtige Rolle. Bei der Energiewerkstatt fand er ein fachlich spannendes Umfeld und ein Arbeitsumfeld, in dem er sich schnell angekommen fühlte.
Heute ist der Dipl.-Physiker als Projektleiter Planung & Forschung tätig. Zum fünfjährigen Dienstjubiläum haben wir mit ihm über seinen Einstieg, den Wechsel vom Großbetrieb in ein kleineres Unternehmen, Windenergie in kalten Klimazonen und das Ankommen in Österreich gesprochen.
Vom Bewerbungsgespräch in der Küche zum ersten Projekt
Claas, wie bist du damals zur Energiewerkstatt gekommen?„Ich bin klassisch über ein Bewerbungsportal auf die Energiewerkstatt gestoßen. Gesucht wurde jemand für Projektmanagement-Aufgaben. Das Thema Windenergie hat mich schon immer interessiert. Deshalb hat die Stelle sehr gut zu dem gepasst, wonach ich gesucht habe.“
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Was war dein erster Eindruck vom Unternehmen?„Der Unterschied zu meinem vorherigen Arbeitsumfeld war sehr deutlich. Ich kam von einer Unternehmensgruppe mit weltweit rund 21.000 Mitarbeitenden. Die Energiewerkstatt war eine ganz andere Größenordnung. Mein erster Eindruck war: familiär, hemdsärmelig und sehr angenehm. Ich kam zur Haustür hinein, das Bewerbungsgespräch fand in der Küche statt, Andi trug Kletterhose und Filzpantoffeln. Das war für mich ein völlig anderes Setting als viele klassische Bewerbungsgespräche: weniger förmlich, dafür direkter und persönlicher.“
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Erinnerst du dich noch an dein erstes Projekt?„Anfangs war ich stärker mit Forschungsthemen beschäftigt. Mein erstes inhaltliches Projekt hatte mit der Fortführung eines internationalen IEA-Wind-Tasks zu tun (damals Task 19, heute Task 54). Planungsthemen sind dann Schritt für Schritt stärker zu meinem Arbeitsfeld geworden.“
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Du bist aus einem Konzern in ein kleineres Unternehmen gewechselt. Was war für dich der größte Unterschied?„Vor allem die Prozesse und Entscheidungswege. In größeren Unternehmen gibt es viele Strukturen, Gremien und Berichtsebenen. Das hat natürlich auch Gründe, kann im Arbeitsalltag aber manchmal zum Klotz am Bein werden. Man muss viele Stellen informieren, Entscheidungen abwarten und es ist schwieriger, agil zu bleiben. Bei der Energiewerkstatt sind die Wege deutlich kürzer und überschaubarer. Wir arbeiten eigenverantwortlich, versuchen aber zugleich, sinnvolle Prozesse weiterzuentwickeln. Diese Mischung gefällt mir sehr gut.“
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Was schätzt du besonders an der Arbeit in einem kleineren Unternehmen?„Das Soziale und Zwischenmenschliche. Natürlich gibt es auch in großen Unternehmen kleinere Gruppen, in denen man eng zusammenarbeitet. Aber hier ist das noch einmal anders. Bei der Energiewerkstatt passt das Team sehr gut zusammen. Es gibt ein starkes Miteinander und das Gefühl, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten.“
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Zwischen Planung, Forschung und Windenergie in kalten Klimazonen
Deine Rolle hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Wie würdest du das beschreiben?„Ich bin in den vergangenen fünf Jahren viel tiefer in das Thema Windenergie eingestiegen. In bestimmten Bereichen bin ich mittlerweile eine der Ansprechpersonen in der Energiewerkstatt. Heute arbeite ich viel in Planungsprojekten, etwa in der Genehmigungsplanung, und bin zugleich weiterhin in Forschungsthemen eingebunden. Im Forschungsbereich ist das internationale Projekt IEA Wind Task 54 eines meiner zentralen Themen. Dazu kommen weitere thematisch ähnliche Projekte.“ |
Worum geht es bei IEA Wind Task 54?„Im Kern geht es um Windenergie in kalten Klimazonen. Das ist innerhalb der Windbranche zwar ein Spezialthema, aber für bestimmte Regionen sehr relevant, etwa im alpinen Gelände, in Skandinavien oder in Kanada.“
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Was hat dich an der internationalen Zusammenarbeit besonders überrascht?„Positiv überrascht hat mich, wie eng Forschung und Industrie in diesem Bereich zusammenarbeiten. Die Gruppe der Menschen, die sich intensiv mit Windenergie in kalten Klimazonen beschäftigen, ist überschaubar. Dadurch kennt man einander, arbeitet offen zusammen und versucht gemeinsam, das Thema weiterzubringen. Es geht weniger um Abschottung oder Patentjagd, wie man es vielleicht aus anderen Bereichen kennt, sondern sehr stark um fachlichen Austausch. Das ist angenehm und produktiv.“
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Ankommen in Österreich
Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: Hier bin ich richtig?„Einen einzelnen Moment gab es nicht. Mir war aber sehr schnell klar, dass mir die Arbeit und das Umfeld gut gefallen. Heute ist die Quintessenz: Ich fühle mich hier sehr angekommen und bin sehr glücklich den Schritt gewagt zu haben.“
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Wie hast du dich in Österreich eingelebt?„Die Umstellung war gar nicht so groß, wie man vielleicht denken könnte. Ich habe schon früher viele Urlaube in Österreich verbracht und kannte das Land daher bereits. Natürlich gibt es Unterschiede im Alltag. Längere Öffnungszeiten bei Supermärkten oder die kleinen Bäckereien aus meiner Herkunftsregion vermisse ich manchmal schon. Aber insgesamt habe ich mich sehr gut eingelebt.“
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Gibt es österreichische Ausdrücke, die du inzwischen übernommen hast?„Ja, ‚geht sich aus‘ oder ‚geht sich nicht aus‘. Das verwendet man hier einfach ständig und irgendwann übernimmt man es.“
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Berge, Windenergie und der Blick nach vorne
Du bist gerne in den Bergen unterwegs. War das auch ein Grund für den Wechsel nach Österreich?„Ja, definitiv. Die Berge waren einer der großen Gründe, nach Österreich zu ziehen. Wandern, Klettern und Skitouren gehören für mich einfach dazu.“
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Gibt es für dich eine Verbindung zwischen deiner Liebe zu den Bergen und deiner Arbeit in der Windenergie?„Ja, schon. Ich genieße die Berge als Naturlandschaft. Es gibt mir eine tiefe Befriedigung, Wege zu gehen, mir etwas zu erarbeiten und draußen unterwegs zu sein. Dieses Naturerlebnis ist für mich auch ein Motiv in der Windenergie. Windenergie ist für mich eine der sanftesten Formen der Energieerzeugung. Eine Windenergieanlage wirkt auf mich fast wie eine zarte Maschine, die auf einem Hügel steht und sich einfach im Wind dreht. Natürlich gibt es auch hier Konfliktpotenziale, wie bei jeder Form der Energieerzeugung. Aber der Zusammenhang zwischen Natur, Technik und erneuerbarer Energie ist für mich sehr stark.“
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Was möchtest du in den nächsten fünf Jahren erreichen?„Vielleicht ist das eine etwas nerdige Antwort, aber ich würde gerne sehen, dass Österreich beim Ziel, den Bedarf zu 100 Prozent erneuerbar zu decken, entscheidend weiterkommt. Das ist für mich ein Grundstein für viele weitere Entwicklungen. Das war auch einer der Gründe, warum ich mein früheres Arbeitsumfeld verlassen habe. Mir hat dort irgendwann die persönliche Motivation und das Ziel gefehlt. Heute fühlt sich meine Arbeit stärker nach Berufung an, nicht nur nach Beruf.“
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Claas, wir freuen uns, dass du seit fünf Jahren Teil der Energiewerkstatt bist. Danke für deinen Einsatz, deine Neugier und die gemeinsame Arbeit an Themen, die uns wichtig sind. Schön, dass wir gemeinsam etwas weiterbringen. Auf viele weitere gemeinsame Jahre!
